Montag, 26. September 2016

Manometer, was für eine Reaktionszeit!

Oh nein, man freut sich gerade die letzten Sonnenstrahlen draußen mit einem Eis zu genießen, läuft die Straßen entlang und stolpert plötzlich. Alles geht ganz schnell. Man dreht und windet sich und versucht sich auszubalancieren und gleichzeitig noch das Eis in der Hand zu halten. Das ist kürzlich der Tochter meiner Kollegin passiert. Sie hat das alles super gemeistert. Wow! Ganz klar die Vorteile einer Turnerin! Und was man dazu auch noch braucht, ist eine gute Reaktionszeit.

Mit einem einfachen Experiment könnt ihr eure Reaktionszeit messen. Alles, was ihr dafür benötigt, ist eine helfende Person, ein Lineal und zur späteren Berechnung einen Taschenrechner.



Die helfende Person hält das Lineal in die Höhe, man selbst platziert die eigene Hand auf die Höhe der Null um das Lineal herum, berührt es aber nicht. Nun wird das Lineal losgelassen und man versucht es, so schnell wie möglich zu fangen. 


Mithilfe einer Formel könnt ihr nun ausrechen, wie schnell ihr auf das fallende Lineal reagiert habt. Hier greift man auf die Formel „Weg-Zeit Gesetz“ zurück, die man nach der Reaktionszeit umstellt: t= Wurzel (2*d/9,81). Der Wert für die Erdbeschleunigung g ist vorgegeben und beträgt g= 9,81 m/s². Nun setzt ihr für d die Höhe ein, auf der ihr das Lineal gefangen habt. Achtung, die Zentimeter müsst ihr vorher in Meter umwandeln. Nun könnt ihr euer Ergebnis berechnen. Das Ergebnis zeigt eure Reaktionszeit in Sekunden an. Die durchschnittliche Reaktionszeit liegt zwischen 0,1 bis 0,4 Sekunden. Mit zwei Kolleginnen probiere ich das Experiment sofort aus. 


Meine Kollegin fängt das Lineal bei 5 cm. Diese Daten setze ich umgehend in die Formel ein:

 t= Wurzel (2*0,05 m/9,81 m/s)
 t= Wurzel (0,1 m/9,81 m/s)
 t= Wurzel (0,01 s)
 t= 0,1 s


Wow! Ihre Reaktionszeit liegt bei genau 0,1 Sekunden. Damit liegt sie im obersten Bereich der durchschnittlichen Reaktionszeit. Ich bin nicht so schnell. Ich fange das Lineal bei 9,5 cm. Ich schätze, dass meine Reaktionszeit dennoch nicht so schlecht ausfallen wird. Mit einer Reaktionszeit von 0,14 Sekunden bin ich dann doch sehr zufrieden. 


Tipp: Auch in der aktuellen Sonderausstellung "Manometer!" könnt ihr an verschiedenen Stationen eure Reaktionszeit testen. Das Exponat „Schnell gefangen“ ähnelt diesem Experiment. Probiert es aus und berichtet über eure Ergebnisse.


Am Exponat "Schnell gefangen" kann man seine Reaktionszeit mit beiden Händen ausprobieren und testen, ob man die beiden Stäbe gleich schnell fängt.

Montag, 19. September 2016

Ich höre was, was du nicht hörst!

Hören wir das Gras wachsen? Nun können Davy und ich es endlich ausprobieren. Der Hörraum, der vom phaeno gestaltet wurde ist fertig und auch das Exponat betriebsbereit. Und eins stellen wir beide sofort fest. Der ganze Raum sieht aus wie ein Tonstudio. "Man fühlt sich darin wohl!", meint Davy. Und die Funktion erfüllt er sehr gut. Rund herum ist es laut. Im Innern ist es sehr viel leiser. "Die Dämmung funktioniert!", freut sich Davy. Schön ist auch, dass man denjenigen, der den Hörtest macht, auch noch durch ein Fenster beobachten kann. Nun geht es los. Davy startet den Hörtest. Er ist begeistert von dem Exponat. "Alles ist einfach bedienbar! Und wunderbar mechanisch!", erklärt er mir. 

"Die Dämmung funktionniert!", freut sich Davy. Im Innern nimmt Davy die Geräusche von der Ausstellung so gut wie gar nicht mehr wahr.
Man macht den Hörtest an einer Art Mischpult. Nachdem man den Kopfhörer aufgesetzt hat, drückt man auf den Knopf unter dem Regler und zieht diesen hoch. Wenn man etwas hört, lässt man den Regler auf dieser Stelle stehen. So entwickelt sich nach und nach die Hörkurve. Davy ist fertig. Und ich bin erstaunt. Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Kurve in dieser Art entwickelt. Im tiefen und hohen Frequenz-Bereich musste Davy stark die Lautstärke erhöhen, um überhaupt noch etwas zu hören. 

Im tiefen und hohen Frequenz-Bereich musste Davy stark die Lautstärke erhöhen, um überhaupt noch etwas zu hören.
"Wie man hört, hängt stark vom Alter und von der Veranlagung ab", erklärt mir Davy. "Ein medizinischer Test ist dies jedoch nicht", betont er. Man kann jedoch viele Eigenschaften des Ohres gut nachvollziehen und die eigene Hörbereiche erleben. Unser Forschergeist ist geweckt. Zuerst teste ich mein Hörvermögen. 

Nun bin ich an der Reihe. Ich bin gespannt, wie meine Hörkurve am Ende aussehen wird.
Ich bin ungefähr im gleichen Alter wie Davy. Unsere Hörkurven sind deswegen auch sehr ähnlich. Nun ist die FSJ-lerin dran. Sie ist mehr als 20 Jahre jünger. Und auch dies sieht man sofort. Außerdem hat sie der eigenen Aussage nach ein sehr gutes Hörvermögen. Dies bestätigt sich durch den kleinen Test. 

Das gute Hörvermögen der FSJ-lerin macht sich an dieser Kurve sehr deutlich!
Am Ende bitte ich noch "Senior" Bernd und ein Kind. Bernd gibt lachend zu, dass seine Frau schon manchmal schimpft, dass er nicht mehr alles hört. Und tatsächlich die hohen Frequenzen hört er altersgemäß nicht mehr. Wohingegen Svea vermutlich noch Fledermäuse hören kann. 

Besonders die hohen Frequenzen hört Bernd altersgemäß nicht mehr.
Diese Versuche haben uns motiviert, noch mehr über unser Hörvermögen herauszufinden. Gleich nebenan kann man experimentieren, ob man Töne die von der Seite kommen besser hört, als Töne die von oben oder unten kommen. "Wir haben zwei Ohren, rechts und links am Kopf und können deswegen Töne die horizontal, also von rechts oder links kommen, sehr gut im Raum orten. Wenn diese Töne jedoch von oben oder unten im Raum zu hören sind, ist dies fast unmöglich. "Da bräuchten wir wie manche Vögel versetzt angebrachte Ohren!" erklärt mir Davy. 

Für Svea ist der Hörtest ein leichtes Spiel. Hohe und tiefe Frenquenzen hört sie gleich gut.
So jetzt habe ich erstmal genug vom Hören und möchte mich nochmal ein bisschen beim Schreien austoben, damit sich die anderen die Ohren zuhalten müssen!

Montag, 12. September 2016

Workshop "Meine (un)bekannten Sinne"

Ohne ein Geräusch von sich zu geben, fängt meine Kollegin Annette plötzlich an, mit Hand und Armbewegungen vor der Gruppe pwms zu agieren.

"Hallo zusammen! Herzlich Willkommen im phaeno!", begrüßt Annette die pwms in Zeichensprache.
Skepsis und Verwirrtheit breitet sich in den Gesichtern aus. Nach weiteren gestikulierenden Bewegungen ergreift sie das Wort und fragt nach deren Bedeutung. "Ich liebe dich, bitte verlass mich nicht", ruft einer der pwms in die Runde und leichtes Gelächter erfüllt den Raum. Die Stimmung an diesem Trainingstag ist gelöst. Annette löst das Ganze auf. In Gebärdensprache hat sie die Gruppe begrüßt und im phaeno herzlich Willkommen geheißen.

Um den Workshop 1:1 auszutesten, begeben sich die pwms in die Rolle der Schülerinnen und Schüler und meistern die erste Aufgabe.
Der Workshop "Meine (un)kannten Sinne" ist begleitend zur Sonderausstellung "Manometer!" für die Schulklassen 5 bis 8 entwickelt worden. In diesem erforschen die Schülerinnnen und Schüler ihre Sinne. Dabei verfügen Menschen weitaus mehr als über die obligatorischen 5 Sinne – Sehen, Schmecken, Hören, Riechen und Tasten. Bei diesen fünf handelt es sich um die Aristotelischen Sinne. Zu diesen fünf kommen laut Wissenschaftlern noch weitere Sinne hinzu.

Um einen Überblick über die Sinne zu bekommen, erläutert Annette diese. Besonders spannend finde ich, dass die Sinneszellen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Das menschliche Auge beispielsweise verfügt über 130 Millionen Sehsinnzellen. Im Vergleich dazu verfügen wir nur bis zu 30 Millionen Riechzellen. Aufschlussreich empfand ich die Information, dass Riechzellen schnell
adaptieren, d.h. man gewöhnt sich nach einer gewissen Zeit an den Geruch und nimmt ihn dann nicht mehr wahr.

In Gruppen eingeteilt testen heute die pwms in ihrer Rolle als Schülerin und Schüler anschließend ihre Sinne. Von der Riechstation über die Taststation, vom Sehsinn über die Wahrnehmung von Temperatur und Gewicht stellen sie ihre Sinne auf den Prüfstand.


Wie gut seid ihr im Schätzen? An dieser Station wird genau dies überprüft.
Besonders lustig ist die Station zum Überprüfen des Gleichgewichtssinns. Man dreht sich 10 Runden lang an einem Stab und läuft im Anschluss an einer roten Linie entlang. Wer seinen Sinn von den Drehbewegungen nicht verwirren lässt, kann besonders stolz sein. 

Seid gespannt, ob ihr es schafft, die Linie geradeaus zu laufen.
Der Workshop "Meine (un)bekannten Sinne" ist ab sofort buchbar.

Montag, 5. September 2016

Manometer - was für coole Exponate

Manometer, Manometer – die neue Ausstellung wird aufgebaut und ich freue mich darauf, mit Davy, dem Organisator der Ausstellung die ersten Exponate zu testen. Als ich das erste Mal von der Ausstellung informiert wurde, hat mir gleich das Exponat Schreihals imponiert. Wir probieren es gleich als erstes aus.

Nur noch wenige Tage, dann eröffnet die neue Sonderausstellung "Manometer!"
Davy "überschreit" mich natürlich. 96 gegen 90 Dezibel von mir. "Ich finde es witzig, wie viel man dabei selber erreicht!", meint Davy schmunzelnd. Immerhin befinden wir beide uns damit schon auf Kreissägen-Niveau…

Mit Davy, dem Organisator der Ausstellung, schreien wir gemeinsam um die Wette.
Nach dem Schreien wenden wir uns einem ruhigeren Exponat zu, das uns beide sehr fasziniert. Nach dem Vorbild der berühmten Proportionenzeichnung von Leonardo da Vinci probieren wir Höhe gleich Spanne aus. Und sind beide überrascht. Bei Davy stimmt es fast haargenau. Seine Spanne der ausgestreckten Arme von Fingerspitze zu Fingerspitze entspricht genau seiner Größe. "Vom Gefühl her würde man sagen, die Spanne ist viel geringer", erklärt mir Davy. Das sehe ich genauso. Da ist Ausprobieren einfach Gold wert. Bei mir stimmt es nicht ganz exakt. Trotzdem ist die Erkenntnis erstaunlich.

Ob die eigene Spanne gleich der Körpergröße ist, kann man an diesem Exponat testen. Ihr werdet über das Ergebnis staunen.
Hinter uns bauen die Techniker vom Technorama, woher die Ausstellung stammt, gerade das Sprungexponat auf. Hier zeigt einem der Computer wie weit man springt an, bevor man abgesprungen ist. Was uns dabei fasziniert: Obwohl die Techniker die Ausstellung aus dem Effeff kennen, sind sie mit Feuereifer dabei. Und wie das Bild zeigt, hatten sie viel Spaß beim Einrichten. Außerdem war es eine Herausforderung das Gerät vernünftig einzustellen.
 
Besonders viel Spaß hatten die Techniker beim präzisen Einrichten des Geräts.
Als nächstes testen wir einen magischen Spiegel aus. Durch einfaches Ziehen an einer Schnur, werden erst Davy dann ich dünner oder dicker. Das Spannende dabei ist jedoch, dass man dabei seine Körperwahrnehmung testen kann. Man soll den Spiegel so einstellen, wie man meint, dass das Spiegelbild aussehen muss. Und dann kann man an einer Anzeige sehen, ob man richtig lag. Davy hat sich ein wenig dicker geschätzt und ich mich etwas dünner.

Durch Ziehen an einer Schnur kann man seine eigene Körperwahrnehmung testen: Schätzt man sich dünner oder dicker ein als man ist?
Als nächstes ist noch einmal unsere Reaktionszeit gefragt. Davy ist nicht sehr optimistisch "ich bin so schlecht". Erstaunlicherweise ist seine linke Hand langsamer als die rechte. Komisch, komisch…

Aber seine gesamt Reaktionszeit ist natürlich nicht schlecht. Doch unser Forschergeist ist erwacht. Wir testen weitere Links- und Rechtshänder. Denn unser Verdacht lag in die Richtung. Davy ist Rechtshänder und dadurch mit der linken Hand langsamer. Doch es gab für diese Theorie bisher keine Bestätigung. Gerne können Sie das auch selbst testen!

Wir fangen mit einer Hand langsamer als mit der anderen. Werdet ihr diese Beobachtung auch feststellen?
Wir werden weiter forschen und auch die nächsten Exponate vorstellen. Insgesamt hat es sehr viel Spaß gemacht und uns viele neue Erkenntnisse beschert. Ab Samstag dürfen Sie selbst testen.

Mit zwei Tafeln leckerer Schweizer Schokolade versüßen uns die Technicker vom Technorama die verbleibenden Tage bis zur Eröffnung!
PS: Die Techniker vom Technorama haben unseren Technikern noch einen typischen Dank aus der Schweiz dagelassen. Dafür von hier aus noch einmal vielen Dank!