Montag, 7. April 2014

Wie fühlt man sich, wenn man eine Ausstellung plant - Ein Interview mit dem Projektleiter der Sonderausstellung "Lufffffft - federleicht und tonnenschwer"

Die Sonderausstellung „Luffffft – federleicht und tonnenschwer“  ist eröffnet und Christof, dem Projektleiter der Ausstellung, geht es sichtlich gut. Ganz im Gegenteil zu den Phasen, die er in den letzten Wochen vor Ausstellungsbeginn durchstehen musste.
Auf und Ab der Gefühle beim Aufbau einer Ausstellung
Gleich zu Beginn des Interviews zur Sonderausstellung will ich von ihm wissen, welche Momente die schönsten und welche die schlimmsten in der Vorbereitung der Ausstellung waren.

Der schönste Moment war, als wir das Luftröhrenlabyrinth fertig aufgebaut hatten. Obwohl es vormontiert war und die Entwicklerin anwesend war, haben wir 2 Tage für den Aufbau gebraucht. Zuerst wurde das Gestell montiert, dann alle Röhren ordentlich verschraubt. Das brauchte eben Zeit. 

Der Aufbau des Luftröhrenlabyrinths brauchte seine Zeit.
Als es dann endlich lief, der Moment war einfach toll. Ich hatte zwar nicht viel Zeit in dieser Phase des Aufbaus, musste es aber trotzdem sofort ausprobieren. Auch der Geschäftsführer und viele andere Ausstellungsmitarbeiter ließen es sich nicht nehmen, das Exponat zu testen. Die Aufbauarbeit hat sich definitiv gelohnt!

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Was war einer der schlimmsten Momente vor Ausstellungsbeginn?

Definitiv die Probleme mit der Anlieferung des Federbrunnens.  Er wurde vom Künstler Daniel Wurtzel aus New York geschickt. Wegen der Größe sollte er per Schiff transportiert werden. Wir hatten auch Nachricht, dass der Federbrunnen schon auf dem Schiff unterwegs wäre, da traf plötzlich eine neue Meldung ein: Das Schiff war aufgrund des schlechten Wetters in New York noch gar nicht losgefahren. Das brachte natürlich den ganzen Aufbau durcheinander. Daniel Wurtzel sollte beim Aufbau helfen. Er wurde umgeplant. Erst zwei Tage vor Eröffnung traf der Federbrunnen dann bei uns ein.

Wie lief der Aufbau des Federbrunnens mit Daniel Wurtzel?

Das musste schnell gehen: Der Aufbau des Federbrunnens mit Daniel Wurtzel (links).
Mit Daniel Wurtzel konnte ich super zusammenarbeiten. Wir haben sogar noch Zeit gefunden, die Präsentation des Exponats weiterzuentwickeln. Uns beiden hat das viel Spaß gemacht. Vor allem wurde in Zusammenarbeit mit Florian (Anmerkung: Lichttechniker) noch die Schattenwirkung durch schräge Scheinwerfer verbessert. Für Daniel Wurtzel war es schön zu sehen, wie gut sein Exponat präsentiert wird. So wurde der Federbrunnen gerade noch rechtzeitig vor Ausstellungseröffnung fertig. Und er sah noch besser aus als gedacht! Denn ich hatte das Exponat vorher nur als Video gesehen. Die Federn fliegen bis ins Tragwerk hoch!!

Was ist dein Lieblingsexponat aus Sicht des Physikers?


Spielen mit Unterdruck: So witzig kann Luft sein!
Ganz klar die Bernoulli-Fontäne. Es ist eine Spielvariante der klassischen Bernoulli-Experimente, die wir ja auch schon in der Ausstellung haben. So wie in diesem Exponat habe ich das noch nie gesehen. Durch eine Luftströmung über einem Rohr entsteht ein Unterdruck und die Bälle werden durch den normalen Luftdruck durch das Rohr nach oben gedrückt. Ich finde die Fontäne extrem witzig und spielerisch. 

Sehr gut finde ich auch noch den Vakuumheber. Der ist sehr eindrucksvoll, weil man da richtig durch Luft hochgehoben wird.

Was ist dein Lieblingsexponat aus Sicht des Familienvaters?

Wow, was kann man hier alle entdecken?
Das Exponat „Schweben im Luftstrahl“. Ich hatte meine Kinder bei der Ausstellungseröffnung dabei und sie haben sofort die Freiheiten genutzt, die wir den Kindern auch in der Ausstellung lassen wollen. Sie haben zum Beispiel warme Luftduschen entdeckt und haben sich die Luft direkt ins Gesicht geblasen (lacht).

So sehe ich auch den Sinn von phaeno. Den Kopf frei machen, frei Experimentieren. Selbst Neues entdecken. Vielleicht nicht immer das, was auf der Anleitung steht, aber das ist völlig in Ordnung. Meine kleine Tochter ist auch auf das Fahrrad total abgefahren. Auch für die Kleinen ist die Ausstellung sehr spannend!

Was ist dein Lieblingsexponat, was du als erstes bei einem Telefonat mit Freunden erwähnen würdest?

Kreativ sein: Alle Becher fliegen hoch! Und drehen sich...
(Die Antwort fiel nun Christof richtig schwer. Er hätte am liebsten fünf erwähnt.)

Es kommt darauf an, mit wem ich telefonieren würde… Ich würde zum Beispiel den Windlauncher sehr empfehlen, an dem man eigene Flugobjekte basteln kann. Ich habe beobachtet, dass er von den Besuchern sehr gut angenommen wird. Das freut mich total. Denn dadurch bieten wir noch einmal eine ganz andere Qualität in der Ausstellung und fördern die Kreativität der Besucher auf neue Weise.

Ist für dich als Physiker das Thema Luft überraschend?

Das Propellerfahrrad macht Luft lebendig erfahrbar.
Ja. Ich fand beispielsweise das Propellerfahrrad sehr erstaunlich. Es fasziniert mich, wie viel Wind von dem Propellerfahrrad erzeugt wird und wie wenig Rückstoß doch dadurch entsteht.  So bekommt man ein Gefühl dafür, wie viel Energie notwendig ist, um ein Flugzeug oder eine Rakete  zu starten. Das fand ich sehr spannend.

Warum wurde das Thema Luft gewählt?

Dominik (Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team Ausstellung) hat sich dieses Thema überlegt. Sehr schnell wurde uns die große Bedeutung und enorme Bandbreite des Themas klar. Wir haben uns dann auf reine Luftphänomene wie Luftdruck oder Luftströmungen beschränken müssen. Das Thema wurde zu groß. Man könnte noch die biologische Relevanz und Umweltaspekte zeigen. Auch das Thema Fliegen wäre natürlich eine ganz eigene Ausstellung wert. Mal sehen, welche Ideen wir vielleicht in einer neuen Ausstellung umsetzen werden!

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