Montag, 18. Mai 2015

Interview mit Niklas Roy

Eine Kugel, zwei Flipperfinger und ein paar Zielscheiben – mehr braucht man für einen Flipper nicht, um damit spielen zu können. Das dachte sich auch der Berliner Künstler Niklas Roy und erfüllte sich damit den Traum von einem selbstgebauten Flipper. Im Rahmen der Sonderausstellung „ausgeflippt“ entwarf und baute er den Riesenflipper „Galactic Dimension“. Das Besondere an dem 3 mal 6 Meter großen Flipper ist die Verwendung von ganz alltäglichen Haushaltsgegenständen.

Kurz vor der Ausstellungseröffnung von "ausgeflippt" haben meine Kollegin Andrea und ich dem Künstler ein paar Fragen zu dem Riesenflipper gestellt. Doch lest selbst!

In dem Flipper ist ganz schön viel Technik mitverbaut. Ist ein Studium oder eine Ausbildung in dem Gebiet Voraussetzung, um so einen Flipper bauen zu können? 
Ich habe z. B. Design und nicht Technik studiert. Aber ich habe schon immer gern gebastelt und dann eignet man sich das irgendwann an.  

Scheint dennoch kompliziert zu sein.  Eigentlich sind die einzelnen Bauteile gar nicht kompliziert, es wird nur irgendwann komplex bei vielen Komponenten. Aber hier beim Flipper gibt es im Wesentlichen immer nur 3 Bauteile, einen Sensor der den Ball erkennt, einen Mikrocontroller, der dann die Informationen auswertet und einen Fön oder Ventilator, der reagiert. 

Ein Fönantrieb in einen Flipper ist ja nicht gewöhnlich. Wo hast du dich für die einzelnen Teile des Riesenflippers inspirieren lassen? 

Ich gehe mit offenen Augen durch den Alltag. Der Trick ist ja auch hier in den ganz normalen Haushaltgeräten das Potenzial zur Zweckentfremdung zu sehen und einfach auszuprobieren wofür man sie sonst noch so benutzen kann. Ich arbeite mit einer Menge an Haushaltsgeräten. Besonders mag ich die Wiedererkennbarkeit, um auch die Menschen zu inspirieren. Sie sollen merken, dass sie sowas auch zu Hause selbst nachbauen können. Wenn man nur Teile aus der Industrie benutzt, dann ist dieser Effekt nicht da. phæno soll ja auch Menschen einladen, selbst kreativ zu sein. Deshalb war mein Ziel auch, den Riesenflipper so zu bauen, dass man die Technik darin wiedererkennt.
 

Der Slingshot mit Fönantrieb.
Was ist beim „Galactic Dimension“ bisher die größte Herausforderung für dich gewesen? Definitiv die Steigung von der Rampe. Die ist über 30 Grad, das ist brutal steil. Normale Flipper sind ziemlich flach, haben vielleicht eine Steigung von 5 bis 6 Grad. Und dann die Größe natürlich – der Flipper ist drei Mal sechs Meter groß. Den Ball da so hoch zu schießen, ist eine Herausforderung! Daher hatte ich viele Prototypen der Flipperfinger gebaut. Die erste Generation war super laut und die zweite hat sich in fünf Minuten selber zerlegt. Lacht. Mit der dritten Generation ging es dann langsam aufwärts.  

Steigung der Rampe ist sehr steil, normale Flipper sind eher flach.
Was war an dem Auftrag der spannendste Aspekt für dich: Einen Flipper an sich zu bauen oder generell die Herausforderung einer großen Installation?   
Ganz eindeutig den Flipper zu bauen. Vor allem wenn man selbst ein Bastler ist und Flipper auch schon ewig spielt. Früher habe ich mindestens zwei Stunden am Tag Flipper gespielt und es gab kein einziges Mal, wo ich den Flipper nicht zum Überlaufen gebracht habe [Anm. d. Red.:  Die Punkte fangen von vorne an zu zählen, obwohl man nicht verloren hat]. Ich hatte selbst zwei Flipper. Der eine hieß „Strange Science“ von 1986 und der andere „Star Trek“ aus den 70ern. Aber die Flipperautomaten sind solche Platzfresser in der Wohnung. Den ersten habe ich zwar nicht mehr, aber aus dem zweiten habe ich später einen Couchtisch gemacht. 
Ich wollte zudem schon immer mal einen Flipper bauen. Ich hatte da mal eine Idee zu einem 18-Loch Golf Flipper oder einen Flipper auf mehreren Ebenen. Ich habe mehrere Ordner voll von Ideen, aber man hat viel schneller eine Idee, als die Zeit sie umzusetzen. 
Umgebauter Flipper zu einem Sofatisch.
Was war bisher dein ungewöhnlichster Ausstellungsort gewesen? 
Ich finde allgemein Orte spannend, an denen man eine Ausstellung nicht erwartet. Zum Beispiel in einem Wald, das habe ich auch schon mal gemacht. Oder auch eine Installation in meinem Laden. Ist nichts aufregendes, aber eine nette Sache für die Nachbarn. Die sehen so immer, dass ich da was mache. 

Und was ist bisher dein Eindruck von phaeno?   

Das phaeno ist schon ein abgefahrenes Museum. Ich freue mich auch, dass der Flipper in der Architektur integriert ist. Die Rampe z. B. gibt es nur hier so. Als ich hier war, um mit Davy [Anm. d. Red.: Davy Champion, Organisator und Kurator der Sonderausstellung „ausgeflippt“] über meine Installation zu sprechen, habe ich einen Tag lang die Ausstellung angeschaut. Das Beste war das Hexenhäuschen. Da ist der Effekt einfach gewaltig. Es ist super beeindruckend, wie leicht man die Wahrnehmung täuschen kann. Mein Wunsch wäre, dass man aus dem Hexenhäuschen eine Raumstation macht, um diese „Schwerelosigkeit“ zu demonstrieren. Ich mag die Art von Museen und schaue mir Science Center auch in anderen Städten immer gern an, beispielsweise in Hongkong oder Montreal. 
Niklas vor seinem Lieblingsexponat: Das Hexenhäuschen.
Welches ist bisher dein Lieblingsprojekt?  
Das ist schwierig. Überlegt. Ich habe als Atelier einen alten Fischladen mit einem eher kleineren Fenster. Und da habe ich eine noch kleinere Gardine drangehängt, die an einen Computer angeschlossen war. Immer wenn Leute dran vorbei gegangen sind, hat sich die Gardine bewegt. Dieses Projekt [Anm. d. Red.: Installation „My little piece of Privacy, 2010] ist auf alle Fälle ziemlich gut angekommen. Und das freut mich sehr. Es ist relativ einfach als Installation, hat aber eine zweite Dimension bei der man über Privatsphäre und Datenschutz nachdenken kann. Das haben fast 1 Millionen Leute auf YouTube angesehen und das war in der letzten Zeit sicherlich mein erfolgreichstes Projekt. Trotzdem ist das nicht unbedingt mein Lieblingsprojekt. Den Riesenflipper zu bauen, das hat schon unglaublich viel Spaß gemacht. Und ich bin schon wahnsinnig gespannt darauf zu sehen, wie die Besucher darauf reagieren werden.

Danke Niklas!

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