Montag, 21. September 2015

Human Interface Awards Ausstellung: Hör mal, wer da spricht!


Zum ersten Mal vergibt das phaeno im Rahmen der Phaenomenale den Human Interface Award. Der Preis krönt eine Installation mit dem der Betrachter über eine Schnittstelle mit dem Kunstwerk interagieren kann. Wie so etwas aussehen kann, zeigen die ausgestellten nominierten Arbeiten im phaeno. Eine der Arbeiten ist von dem Duo Scenocosme, meine Kollegin Andrea hat die Künstlerin Anaïs getroffen:

Ich habe garantiert keinen grünen Daumen. Vielleicht hat mich deshalb das Kunstwerk „Akousmaflore – Musikalische empfindliche und interaktive Pflanzen“ von Anaïs met den Ancxt und Grégory Lasserre (Scenocosme), so nachdrücklich beeindruckt. Ich bin schon sehr neugierig auf Anaïs, die ich im Krater treffe und ihren beiden besonderen Kunstwerke. Wahrscheinlich sieht sie mir die Neugierde schon an. Denn sofort nachdem wir uns begrüßt haben, bittet sie mich, die Pflanzen doch einmal auszuprobieren. Vorsichtig berühre ich die Pflanzen. Und sofort kommen die Pflanzen und ich ins „Gespräch“. 

Was die Pfalnzen wohl witziges erzählen?
Mit jeder Berührung zwitschern sie etwas anders. Ich bin sehr überrascht. „Eine sehr harmonische Kommunikation“, bestätigt mir Anaïs. Dann verlassen wir kurz ihre Pflanzen und ich will ihr bei einer Tasse Tee etwas über den Hintergrund ihrer Kunstwerke entlocken. Die Kommunikation der Besucher über und mit ihren Kunstwerken ist ihr sehr wichtig. Durch die Möglichkeit, die Pflanzen zu hören, soll eine leichtere und intensivere Beziehung zu den Pflanzen und auch zwischen den Besuchern entstehen.
Das zweite Kunstwerk, Matières sensibles (Empfindliche Stoffe) ist eine Skulptur aus Holz, die fast wie ein Musikinstrument bespielbar ist. Je nach Berührung entstehen unterschiedliche Töne. „Man kann auch auf das Holz hauchen oder zart darüber streichen und es reagiert darauf“, erklärt mir Anaïs. „Das Kunstwerk haben wir so reduziert und organisch geschaffen, damit es ganz normal erscheint, es zu berühren“, meint Anaïs. Besonders dieses Kunstwerk passe sehr gut ins phaeno, das ähnlich „lebendige“ Strukturen durch das Bauwerk aufweise.

Anaïs von den Scenocosme sehr konzentirert an ihrem Kunstwerk.
Bei beiden Kunstwerken soll die Technik ganz bewusst im Hintergrund bleiben. Mehr Geheimnisvolles als Konkretes ist davon der Künstlerin zu entlocken. „Man soll nichts davon sehen und erleben“. Anaïs beobachtet außerdem gerne die Besucher und ihre Reaktionen. „Sie kommen über das Erlebte ins Gespräch und man hört dann die Erstaunlichsten Geschichten über die Beziehung von Menschen zu ihren Pflanzen“, erklärt mir Anaïs, die davon überzeugt ist, selbst einen grünen Daumen zu haben. „Zu Hause dürfen sie jedoch nicht zwitschern, da will ich Urlaub haben“, meint sie augenzwinkernd.
Auf jeden Fall haben mich beide Kunstwerke sehr beeindruckt.

Eine weitere Inststallation ist "Kinetisches Lichtinterface" des Künstlers Merlin Baum. Der erste Blick auf das Kunstwerk verrät nichts über dessen Besonderheit. Auf einem Deckenelement hängen in Reih und Glied 64 Lampenelemente. 

Die Installation "Kinetisches Lichtinterface" von Merlin Baum
Nähert man sich jedoch der Installation und ein kleiner Lufthauch begleitet einen, dann flackern die Lampen. Hält der Lufthauch länger an, dann leuchten die Lampen für eine längere Zeit - aber auch nur die, die in dem Moment den Windhauch abbekommen. Ich treffe Merlin, nachdem die Installation gerade im Krater an der Decke befestigt wurde. Er führt mir sein Kunstwerk vor. Bewaffnet mit einem Papierfecher wedelt er Luft nahe der Lampen bis sie wenige Sekunden später leuchten. 

Unglaublich - Schon kleinste Luftbewegungen reichen aus, um die Lampen zum Leuchten zu bringen.
Unglaublich wie lange sie hell bleiben, nach dem er aufgehört hat zu fächern. "Es reicht auch aus, wenn man nur ein bisschen in die Richtung der Lampen pustet", erklärt Merlin. Ich bin sehr beeindruckt.

Mit "VoxBox" hat Yvonne Rogers eine Maschine kreiert, die Meinungen und Stimmungen von Menschen auf Veranstaltungen einsammelt. Ich muss gestehen, dass ist wirklich sehr viel cooler, als ein weißes Blatt Papier auszufüllen. 

Die mal etwas andere Meinungsumfrage!
Allein schon die Konstruktion, die mich an ein Spielautomat erinnert, weckt die Neugier es auszuprobieren. 

Spielerisch seine Meinung abgeben.
Und letztendlich ist es eine kleine Spielerei: man dreht Knöpfe, schiebt Regler und Lämpchen leuchten und weisen einem die Richtung. Hat man die Umfrage beendet, kann man auf der Rückseite die Echtzeitergebnisse sehen. 

Die "VoxBox"-Maschine von hinten.
Tipp: Mit den Pflanzen kommunizieren, Licht durch Luft erzeugen oder spielerisch seine Meinung abgeben, kann man nur noch bis zum 27.09.2015! Probiert es aus. Der Eintritt zum ausschließlichen Besuch der Awards Ausstellung ist kostenfrei.

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