Montag, 14. September 2015

10 Jahre phaeno: Rückblick mit Joe Ansel

Heute treffe ich den ehemaligen Kurator des phaeno, der sich Zeit genommen hat, bei "seinem" phaeno vorbeizuschauen, um vor den Feierlichkeiten zum Geburtstag schon einmal zu gucken, wie es der Ausstellung geht.

Er hat mir heute keine Geschichte des phaeno mitgebracht, verspricht er mir, sondern ein paar kleine Anekdoten rund ums phaeno. Wir sitzen zusammen bei einem Kaffee im Bistro. Als wäre es gestern gewesen, hat er noch alle Daten über das phaeno im Kopf. „Ich habe Jahre mit dem phaeno gelebt. Ich konnte in 3 D in meinem Kopf durch das phaeno fahren, bevor es eingerichtet war“, erklärt er mir. Viele, viele Geschichten über die Anfänge fallen ihm ein. Bei dem Namen Dr. Guthardt gerät er sofort ins Schwärmen. „Ohne Dr. Guthardt [Anm. d. Red.: Vater des phaeno und damaliger Direktor] wäre ich nicht gekommen!“sagt er bestimmt. „Als ich Dr. Guthardt sah, wusste ich, ich mach das!“ Er war so „very british“: Schlank, hochgewachsen, elegant und arbeitete von Montag bis Sonntag. „Den Vertrag haben wir mit einem Handschlag besiegelt. Ich half dabei Sponsoren zu überzeugen und das Gebäude für die Ausstellung funktional zu machen“, erinnert sich Ansel an die turbulente Zeit.

Joe Ansel mit Dr. Guthardt (v. l. n. r.) und Zaha Hadid am Rednerpult bei der Eröffnung 2005
Doch ein Abend nach der Eröffnung ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: „Wir saßen im Januar zusammen, die Eröffnung war nun etwas über 2 Monate her, die Erfolge sehenswert. Man kam bei einer guten Flasche Wein ins Gespräch und zog Bilanz.“ Da fragte ihn plötzlich Dr. Guthardt, ob er an einen solchen Erfolg geglaubt habe. Er erwiderte nur: Ja. Und Dr. Guthardt: Ich hatte meine Zweifel. Und da wurde Ansel klar, wie sehr ihm dieser Mann die vielen Jahre vertraut hatte.

Nach dem großen Thema Dr. Guthardt, beginnt Ansel über die Ausstellung zu erzählen. Besonders erinnert er sich an die Kontakte mit dem Künstler Trimpin, der das Exponat „Ring³“ extra für das phaeno entwarf. Es kam als eines der ersten Exponate im phaeno an und sollte die Besucher gleich am Eingang empfangen [Anm. d. Red.: Auch heute noch!).

Viele Kontakte gab es von Ansels Team auch zur Feuerwehr wegen des Brandschutzes. Jedes Detail der Exponate wurde abgesprochen und genehmigt. „Ich machte mir vor allem um den Feuertornado sorgen, ein Highlight der Ausstellung. Würde das mit der Bürokratie gut gehen?“ Und dann sollte es wieder eine Besprechung mit dem Brandschutz geben. Ansel war gut vorbereitet. Man wollte den Feuertornado auch das erste Mal vorführen.

Der Feuertornado, ein Highlight der Ausstellung: Würde das mit der Bürokratie gut gehen?
Und plötzlich rückte eine ganze „Kompagnie in voller Montur“ im phaeno an. „Mein Herz sank, was wollten denn die? Würde jetzt noch etwas schief gehen?“ Und dann die überraschende Auflösung: Es war fast ein Betriebsausflug. Ein solches, grandioses Ereignis wollte man sich nicht entgehen lassen. Denn selbst die Feuerexperten hatten natürlich noch keinen Feuertornado live gesehen.

Nach diesen lustigen und spannenden Geschichten verspricht er mir nach dem Kaffee eine Tour durchs phaeno, die meine Kollegin und ich mit Spannung erwarten. Sogleich steuert er zielsicher das Pferdeschwanz-Exponat an. Wir beide haben schon oft eine Tour durch die Exponate unternommen. Mal mit Experten mal alleine.

Ganz begeistert erklärt Joe Ansel die Wirkweise von "Pferdeschwanz".
Aber Ansels Tour war wirklich eine ganz besondere. Er spricht über die Exponate, als habe er sie gerade erst entdeckt. Zeigt uns gespannt jedes Detail. Hier seht ihr – als hätten wir es noch nie gesehen – eine graue Fläche und kaum hebe ich den Pferdeschwanz, was passiert: Das ist ja gar nicht so … Es folgen viele weitere Details und weitere Exponate!


Für einen kleinen Spaß zwischendurch!
„Ich bin begeistert, wie dynamisch sich das phaeno weiterentwickelt hat, so muss es sein“ bemerkt er ganz nebenbei. Wenn es heute noch so aussehen würde, wie bei der Eröffnung wäre etwas falsch gelaufen!“
Und diese Entwicklung wünscht er dem phaeno weiterhin. Für die nächsten Jahre könnte er sich für das phaeno vorstellen, dass es sich noch mehr zum „Trendsetter“ in Sachen Naturwissenschaften etablieren könnte. Zum Beispiel in der „Maker Faire“ Szene: Also noch mehr mitmachen, selber machen und Naturwissenschaften in der Gesellschaft etablieren.

Zum Abschluss gibt er mir noch eine lustige Story mit auf dem Weg: In Deutschland habe er sich jede Woche ein halbes Hähnchen bei derselben Verkäuferin geholt. Zum Abschied fragte er sie, wie es mit seinen Deutschkenntnissen stehe. Da lächelte Sie zum ersten Mal und sagte: „Oh sehr gut. Nur Hähnchen werden sie wohl nie aussprechen können.“ Stimmt bestätigt Ansel und sagt für mich noch einmal so nett „Hänschchen“. Wirklich schwierig! Er wird bald wieder kommen: Denn eins hat er sich selbst versprochen: Lebenslanges Lernen und Spielen mithilfe von Science Centern!

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