Montag, 25. Mai 2015

Kugelbahnen bauen macht auch Erwachsenen Spaß!

Noch ist die Kugelbahnenwerkstatt geschlossen. Erst ab 14 Uhr geht es für die Besucher los. Ich möchte die Zeit nutzen, um mich mal selbst an einer Bahn zu versuchen. Geplant ist, diese mal mit meinen drei Kinder, am Wochenende zu besuchen. Zuerst gucke ich mir die Modellbahn an.

Die Musterbahn - sieht doch gar nicht so kompliziert aus!
Sieht ja einfach aus. Dann inspiziere ich die verschiedenen Materialien. Das erinnert mich irgendwie an einen Baumarkt! Trichter, Rohre, alles da. Außerdem gibt es Trommeln, Murmeln, Wäscheklammern. 

Eine Auswahl diverser Materialien.
Ich starte sofort mit einer Holzbahn. Und plötzlich ist alles doch nicht soooo einfach. Erste Hürde: Wie hindere ich die Holzbahn daran wegzurutschen. Aha! Mulde in der Bahn entdeckt und festgesteckt. Dann will ich natürlich sofort ein Glöckchen anbauen. Die finde ich einfach super. Es klappt und jetzt bin ich voll im Bauen. Jetzt soll ein Rohr folgen. Das ist schon schwieriger, da der Schwung der Kugel richtig geplant werden muss. Was einfach aussah, kann schnell sehr komplex werden. Es macht richtig Spaß. Nun wartet die nächste Herausforderung: einen Trichter einbauen. Da könnte ich allerdings noch eine dritte Hand gebrauchen. Zu zweit macht es sicher noch mehr Spaß… Ich gucke mir die Konstruktion von der Modellbahn ab. Und schließlich ist der Trichter auch eingebaut. Die Fixierung mit dem Gummiband ist gar nicht so leicht. 

Die Fixierung mit dem Gummiband ist gar nicht so leicht.
Zugegeben ich bin auch nicht der totale Tüftlertyp. Jetzt hat es mir natürlich die Trommel angetan. Nebenbei denke ich dabei an das Kugelbahnenkunstwerk „Odyssey of the sphere“. Da überwinden Kugeln Hindernisse und es erklingt Musik. Wenigstens ein ganz klein bisschen will ich dies in meiner Bahn auch hinkriegen. Ein Glöckchen habe ich schon, jetzt muss die Trommel eingebaut werden. 

"Odyssey of the sphere" (Foto: Marek Kruszewski)
Das ist sehr viel schwieriger. Und funktioniert auch schlechter als erhofft. Die Murmeln springen von der Trommel auf den Boden. Ich baue deswegen Trichter darunter und zwei Körbchen zum Einfangen. Meine Kollegin, die mein „Werk“ fotografiert, ist noch nicht zufrieden. Sie wünscht sich mehr Komplexität. Zu zweit hat man auch gleich noch mehr Ideen. Ich baue also oben noch eine Bahn und ein Rohr an. Für die "springenden" Murmeln hat sie auch die rettende Idee, „Mauern“ aus Holz an die Bahn zu bauen. Nun können die Murmeln nicht mehr raus und rollen ihren Weg bis in das Körbchen – zumindest ab und zu schaffen sie die Bahn komplett. 

"Mauern" verhindern, dass die Kugel beim Aufprallen nicht auf den Boden springt.
Leider geht mir dann die Zeit aus. Ich hätte noch gerne weitergebaut. Doch eins weiß ich jetzt genau. Meine Kinder (und ich) werden diese Kugelbahnenwerkstatt auf jeden Fall besuchen. Mal sehen, was für Bahnen dann entstehen.  

So sieht die fertige Kugelbahn aus!
Das Mitmachlabor findet an den Wochenenden von 14 bis 17 Uhr statt. Mehr Informationen zu den genauen Terminen finden Sie unter http://www.phaeno.de/shows/.

Montag, 18. Mai 2015

Interview mit Niklas Roy

Eine Kugel, zwei Flipperfinger und ein paar Zielscheiben – mehr braucht man für einen Flipper nicht, um damit spielen zu können. Das dachte sich auch der Berliner Künstler Niklas Roy und erfüllte sich damit den Traum von einem selbstgebauten Flipper. Im Rahmen der Sonderausstellung „ausgeflippt“ entwarf und baute er den Riesenflipper „Galactic Dimension“. Das Besondere an dem 3 mal 6 Meter großen Flipper ist die Verwendung von ganz alltäglichen Haushaltsgegenständen.

Kurz vor der Ausstellungseröffnung von "ausgeflippt" haben meine Kollegin Andrea und ich dem Künstler ein paar Fragen zu dem Riesenflipper gestellt. Doch lest selbst!

In dem Flipper ist ganz schön viel Technik mitverbaut. Ist ein Studium oder eine Ausbildung in dem Gebiet Voraussetzung, um so einen Flipper bauen zu können? 
Ich habe z. B. Design und nicht Technik studiert. Aber ich habe schon immer gern gebastelt und dann eignet man sich das irgendwann an.  

Scheint dennoch kompliziert zu sein.  Eigentlich sind die einzelnen Bauteile gar nicht kompliziert, es wird nur irgendwann komplex bei vielen Komponenten. Aber hier beim Flipper gibt es im Wesentlichen immer nur 3 Bauteile, einen Sensor der den Ball erkennt, einen Mikrocontroller, der dann die Informationen auswertet und einen Fön oder Ventilator, der reagiert. 

Ein Fönantrieb in einen Flipper ist ja nicht gewöhnlich. Wo hast du dich für die einzelnen Teile des Riesenflippers inspirieren lassen? 

Ich gehe mit offenen Augen durch den Alltag. Der Trick ist ja auch hier in den ganz normalen Haushaltgeräten das Potenzial zur Zweckentfremdung zu sehen und einfach auszuprobieren wofür man sie sonst noch so benutzen kann. Ich arbeite mit einer Menge an Haushaltsgeräten. Besonders mag ich die Wiedererkennbarkeit, um auch die Menschen zu inspirieren. Sie sollen merken, dass sie sowas auch zu Hause selbst nachbauen können. Wenn man nur Teile aus der Industrie benutzt, dann ist dieser Effekt nicht da. phæno soll ja auch Menschen einladen, selbst kreativ zu sein. Deshalb war mein Ziel auch, den Riesenflipper so zu bauen, dass man die Technik darin wiedererkennt.
 

Der Slingshot mit Fönantrieb.
Was ist beim „Galactic Dimension“ bisher die größte Herausforderung für dich gewesen? Definitiv die Steigung von der Rampe. Die ist über 30 Grad, das ist brutal steil. Normale Flipper sind ziemlich flach, haben vielleicht eine Steigung von 5 bis 6 Grad. Und dann die Größe natürlich – der Flipper ist drei Mal sechs Meter groß. Den Ball da so hoch zu schießen, ist eine Herausforderung! Daher hatte ich viele Prototypen der Flipperfinger gebaut. Die erste Generation war super laut und die zweite hat sich in fünf Minuten selber zerlegt. Lacht. Mit der dritten Generation ging es dann langsam aufwärts.  

Steigung der Rampe ist sehr steil, normale Flipper sind eher flach.
Was war an dem Auftrag der spannendste Aspekt für dich: Einen Flipper an sich zu bauen oder generell die Herausforderung einer großen Installation?   
Ganz eindeutig den Flipper zu bauen. Vor allem wenn man selbst ein Bastler ist und Flipper auch schon ewig spielt. Früher habe ich mindestens zwei Stunden am Tag Flipper gespielt und es gab kein einziges Mal, wo ich den Flipper nicht zum Überlaufen gebracht habe [Anm. d. Red.:  Die Punkte fangen von vorne an zu zählen, obwohl man nicht verloren hat]. Ich hatte selbst zwei Flipper. Der eine hieß „Strange Science“ von 1986 und der andere „Star Trek“ aus den 70ern. Aber die Flipperautomaten sind solche Platzfresser in der Wohnung. Den ersten habe ich zwar nicht mehr, aber aus dem zweiten habe ich später einen Couchtisch gemacht. 
Ich wollte zudem schon immer mal einen Flipper bauen. Ich hatte da mal eine Idee zu einem 18-Loch Golf Flipper oder einen Flipper auf mehreren Ebenen. Ich habe mehrere Ordner voll von Ideen, aber man hat viel schneller eine Idee, als die Zeit sie umzusetzen. 
Umgebauter Flipper zu einem Sofatisch.
Was war bisher dein ungewöhnlichster Ausstellungsort gewesen? 
Ich finde allgemein Orte spannend, an denen man eine Ausstellung nicht erwartet. Zum Beispiel in einem Wald, das habe ich auch schon mal gemacht. Oder auch eine Installation in meinem Laden. Ist nichts aufregendes, aber eine nette Sache für die Nachbarn. Die sehen so immer, dass ich da was mache. 

Und was ist bisher dein Eindruck von phaeno?   

Das phaeno ist schon ein abgefahrenes Museum. Ich freue mich auch, dass der Flipper in der Architektur integriert ist. Die Rampe z. B. gibt es nur hier so. Als ich hier war, um mit Davy [Anm. d. Red.: Davy Champion, Organisator und Kurator der Sonderausstellung „ausgeflippt“] über meine Installation zu sprechen, habe ich einen Tag lang die Ausstellung angeschaut. Das Beste war das Hexenhäuschen. Da ist der Effekt einfach gewaltig. Es ist super beeindruckend, wie leicht man die Wahrnehmung täuschen kann. Mein Wunsch wäre, dass man aus dem Hexenhäuschen eine Raumstation macht, um diese „Schwerelosigkeit“ zu demonstrieren. Ich mag die Art von Museen und schaue mir Science Center auch in anderen Städten immer gern an, beispielsweise in Hongkong oder Montreal. 
Niklas vor seinem Lieblingsexponat: Das Hexenhäuschen.
Welches ist bisher dein Lieblingsprojekt?  
Das ist schwierig. Überlegt. Ich habe als Atelier einen alten Fischladen mit einem eher kleineren Fenster. Und da habe ich eine noch kleinere Gardine drangehängt, die an einen Computer angeschlossen war. Immer wenn Leute dran vorbei gegangen sind, hat sich die Gardine bewegt. Dieses Projekt [Anm. d. Red.: Installation „My little piece of Privacy, 2010] ist auf alle Fälle ziemlich gut angekommen. Und das freut mich sehr. Es ist relativ einfach als Installation, hat aber eine zweite Dimension bei der man über Privatsphäre und Datenschutz nachdenken kann. Das haben fast 1 Millionen Leute auf YouTube angesehen und das war in der letzten Zeit sicherlich mein erfolgreichstes Projekt. Trotzdem ist das nicht unbedingt mein Lieblingsprojekt. Den Riesenflipper zu bauen, das hat schon unglaublich viel Spaß gemacht. Und ich bin schon wahnsinnig gespannt darauf zu sehen, wie die Besucher darauf reagieren werden.

Danke Niklas!

Montag, 11. Mai 2015

Countdown "ausgeflippt" und 1.Testlauf

Der Countdown zum Start der neuen Sonderausstellung rund um die Flipperautomaten hat begonnen. Nur noch 3 Tage und dann wird „ausgeflippt“! Und die Vorfreude ist riesig – und das bei allen. Angefangen bei wahren Flipperfans aus aller Welt über das phaeno Team selbst bis hin zu zockenden Großeltern.

Auf den Fertigaufbau des Riesenflippers „Galactic Dimension“ vergangene Woche, wurden peu à peu die restlichen Flipper angeliefert und aufgebaut. Die Flipperautomaten aus den 50er und 60er Jahren aus dem Pacific Pinball Museum sowie die legendären Flipper aus den 90er Jahren sind bereits startklar. Momentan werden die 4 Werke aus „Temple of Din“ des australischen Künstlers Lucas Abela aufgebaut. Es fehlen danach nur noch die Holzflipper von Pierre Andrès – der eine oder andere wird vielleicht einige aus unserer Kugelbahnausstellung vor wenigen Jahren wiedererkennen – der Aufbau folgt morgen.

Obwohl noch nicht alle Flipper an ihrem Platz sind, fand am Samstag dennoch schon mal ein kleiner Probelauf statt. Und die ersten Eindrücke der Flippermaschinen sind großartig. Es leuchtet und blinkt, ist bunt und auch laut, wenn alle anfangen zu spielen. Man hat wirklich das Gefühl, als würde man in einer typischen Spielhalle stehen. Hier ein paar Eindrücke: 



Es herrscht Anspannung an den Flippern. Ärger wenn man verliert. Die Spannung ist greifbar.
Hier ist ein wahrer Kenner der legendären Flipper am Werk. Geschickt macht er allen vor, wie lässig man damit umgeht.
Ein toller Vater-Sohn Ausflug mit viel Spaß und Spannung. Mal sehen, wer mit den Flippern am Ende besser zurecht kommt.
Auch bei den Mädels ist der Ehrgeiz geweckt. Da kann man keine gutgemeinten Tipps mehr gebrauchen…
Erfolg und Misserfolg lagen manchmal nah zusammen. Bei diesem Flipper kann man auch ganz genau nachvollziehen, was da im Innenleben des Flippers so abgeht.
 
Auch der Riesenflipper weckte sofort die Neugierde. So etwas hatte hier noch nie jemand vorher gesehen.
Tipp: Verpasst nicht die offizielle Eröffnung der Sonderausstellung am 13. Mai um 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei!

Montag, 4. Mai 2015

Making-of Galactic Dimension

Am letzten Montag war es endlich soweit. Niklas Roy, der Künstler des Riesenflippers „Galactic Dimension“ kam samt den Bauteilen gegen Mittag in Wolfsburg an. Die schwarze Platte, die das Spielfeld des Flippers abbildet, war bereits im Vorfeld auf die Schräge montiert worden. 


Tag 1: Noch sieht das Spielfeld ziemlich leer aus.
Relativ schnell waren die ersten Teile an ihrem Platz befestigt. Bis zum späten Nachmittag waren der Plunger, die Bumper, die beiden Slingshots sowie die Diskokugel als auch ein Teil der Rampe final an ihrem Platz angebracht. Ganz schön fix. Man konnte jetzt schon die Dimensionen des Flippers erkennen. Ich muss gestehen, ich war jetzt schon beeindruckt.

Auch am zweiten Tag wurde weiter geschraubt und gebohrt. Neben den Metallstangen für die Rampe wurden an diesem Tag auch die Flipper montiert. 


Tag 2: Niklas schraubt die Metallstangen für die Rampe fest.
Als ich am Nachmittag runter auf die Ausstellungsfläche kam, stand Niklas gedankenversunken vor dem Flipper. Der Grund: Die Konstruktion der beiden Slingshots, die durch Föhnantrieb die Kugel zurück aufs Spielfeld lenken sollen, ist ziemlich tricky. Durch Infrarotsensoren in den Slingshots wird gemessen, ob sich in einem bestimmten Bereich die Kugel befindet. Ist das der Fall schalten sich die Föhne an und pusten auf die vorbeirollende Kugel. Wenn die Kugel jedoch zu schnell vorbeirollt, könnten die Sensoren diese Bewegung gar nicht erfassen und die Föhne blieben aus. Klingt ziemlich kompliziert, vor allem für einen Techniklaien wie mich.

Am dritten Tag nahm der Flipper so langsam seine Endform an. Es folgten weiteren Montagen, beispielsweise zierte nun der Name „Galactic Dimension“ den Riesenflipper. 


Tag 3: Das Namensschild "Galactic Dimension" wird montiert.
Doch neben dem Aufbau wurden auch Testspiele durchgeführt, um die ganze Technik zu testen. Am vierten Tag, als der Flipper bis auf ein paar Kleinigkeiten fertig war, habe ich mich auch an den Riesenflipper heran getraut.
                       

Tag 4: Tadaaa! Der Riesenflipper ist fertig!
Und bereits nach einigen wenigen Malen wurde ich leicht süchtig. Mein Ehrgeiz war zumindest relativ schnell geweckt und ich wollte möglichst viele Punkte erspielen. Naja, letztendlich hatte ich einen eher mickrigen Highscore von etwas über 1.000 Punkten. Ich werde noch ein bisschen üben müssen! Vielleicht dann auch mit meiner eigenen Flipperkugel, die ich bei meinen Stippvisiten von Niklas geschenkt bekam. 

Meine eigene Flipperkugel - ob ich mit ihr viele Punkte erspielen werde?!