Montag, 28. September 2015

Ein VW Golf im phaeno

Die letzten Vorbereitungen für die Sonderausstellung "MechanixX" laufen: Heute vormittag wurde ein Auto als Teil des Exponats „Hebe ein Auto!“ angeliefert: Ein knallroter VW Golf aus dem Jahr 1982 aus dem AutoMuseum Volkswagen Wolfsburg.
11:30 Uhr - Ankunft des VW Golf I
Als ich nach draußen zum Lastenaufzug des phaeno kam, wartete bereits mein Kollege Christof darauf, dass der Golf vom Transporter fuhr. Nachdem der Fahrer des Transportes die Stützen herausgefahren hat,  konnte er im nächsten Schritt den Golf vom Wagen runterrollen. Das war’s. 

Mit vollem Körpereinsatz wird der Golf in die richtige Richtung gelenkt.
Nun kam der schwierige Part und zwar das Auto in den Aufzug zu bekommen. Das knifflige hier, es musste alles manuell erfolgen. Der Golf musste mit eigener Kraft meiner Kollegen in den Aufzug geschoben und gelenkt werden. Gar nicht so einfach, wie ich finde. Drei Kollegen mussten anpacken, mitschieben und lenken bis der Golf den Aufzug komplett ausfüllte. 

Ganz knapp, aber hat hineingepasst.
Anschließend musste er noch ein wenig im Lastenaufzug zurechtgerückt werden. Eine kurze Aufzugfahrt später, wurde der Wagen hinaus auf die Ausstellungsfläche geschoben.

Das Ganze nochmal von vorne, diesmal oben.
Und da steht er nun: glanzpoliert und bereit sich ab dem 3.10. von euch heben zu lassen. Natürlich dann als komplettes Exponat, es kommt noch ein Hebemechanismus – ein Flaschenzug – dazu.

Tadaa - angekommen!
Tipp: Eröffnung Sonderausstellung "MechanixX" am 3.10.2015, um 13.30 Uhr. Der Eintritt am Tag der Eröffnung ist kostenfrei.

Montag, 21. September 2015

Human Interface Awards Ausstellung: Hör mal, wer da spricht!


Zum ersten Mal vergibt das phaeno im Rahmen der Phaenomenale den Human Interface Award. Der Preis krönt eine Installation mit dem der Betrachter über eine Schnittstelle mit dem Kunstwerk interagieren kann. Wie so etwas aussehen kann, zeigen die ausgestellten nominierten Arbeiten im phaeno. Eine der Arbeiten ist von dem Duo Scenocosme, meine Kollegin Andrea hat die Künstlerin Anaïs getroffen:

Ich habe garantiert keinen grünen Daumen. Vielleicht hat mich deshalb das Kunstwerk „Akousmaflore – Musikalische empfindliche und interaktive Pflanzen“ von Anaïs met den Ancxt und Grégory Lasserre (Scenocosme), so nachdrücklich beeindruckt. Ich bin schon sehr neugierig auf Anaïs, die ich im Krater treffe und ihren beiden besonderen Kunstwerke. Wahrscheinlich sieht sie mir die Neugierde schon an. Denn sofort nachdem wir uns begrüßt haben, bittet sie mich, die Pflanzen doch einmal auszuprobieren. Vorsichtig berühre ich die Pflanzen. Und sofort kommen die Pflanzen und ich ins „Gespräch“. 

Was die Pfalnzen wohl witziges erzählen?
Mit jeder Berührung zwitschern sie etwas anders. Ich bin sehr überrascht. „Eine sehr harmonische Kommunikation“, bestätigt mir Anaïs. Dann verlassen wir kurz ihre Pflanzen und ich will ihr bei einer Tasse Tee etwas über den Hintergrund ihrer Kunstwerke entlocken. Die Kommunikation der Besucher über und mit ihren Kunstwerken ist ihr sehr wichtig. Durch die Möglichkeit, die Pflanzen zu hören, soll eine leichtere und intensivere Beziehung zu den Pflanzen und auch zwischen den Besuchern entstehen.
Das zweite Kunstwerk, Matières sensibles (Empfindliche Stoffe) ist eine Skulptur aus Holz, die fast wie ein Musikinstrument bespielbar ist. Je nach Berührung entstehen unterschiedliche Töne. „Man kann auch auf das Holz hauchen oder zart darüber streichen und es reagiert darauf“, erklärt mir Anaïs. „Das Kunstwerk haben wir so reduziert und organisch geschaffen, damit es ganz normal erscheint, es zu berühren“, meint Anaïs. Besonders dieses Kunstwerk passe sehr gut ins phaeno, das ähnlich „lebendige“ Strukturen durch das Bauwerk aufweise.

Anaïs von den Scenocosme sehr konzentirert an ihrem Kunstwerk.
Bei beiden Kunstwerken soll die Technik ganz bewusst im Hintergrund bleiben. Mehr Geheimnisvolles als Konkretes ist davon der Künstlerin zu entlocken. „Man soll nichts davon sehen und erleben“. Anaïs beobachtet außerdem gerne die Besucher und ihre Reaktionen. „Sie kommen über das Erlebte ins Gespräch und man hört dann die Erstaunlichsten Geschichten über die Beziehung von Menschen zu ihren Pflanzen“, erklärt mir Anaïs, die davon überzeugt ist, selbst einen grünen Daumen zu haben. „Zu Hause dürfen sie jedoch nicht zwitschern, da will ich Urlaub haben“, meint sie augenzwinkernd.
Auf jeden Fall haben mich beide Kunstwerke sehr beeindruckt.

Eine weitere Inststallation ist "Kinetisches Lichtinterface" des Künstlers Merlin Baum. Der erste Blick auf das Kunstwerk verrät nichts über dessen Besonderheit. Auf einem Deckenelement hängen in Reih und Glied 64 Lampenelemente. 

Die Installation "Kinetisches Lichtinterface" von Merlin Baum
Nähert man sich jedoch der Installation und ein kleiner Lufthauch begleitet einen, dann flackern die Lampen. Hält der Lufthauch länger an, dann leuchten die Lampen für eine längere Zeit - aber auch nur die, die in dem Moment den Windhauch abbekommen. Ich treffe Merlin, nachdem die Installation gerade im Krater an der Decke befestigt wurde. Er führt mir sein Kunstwerk vor. Bewaffnet mit einem Papierfecher wedelt er Luft nahe der Lampen bis sie wenige Sekunden später leuchten. 

Unglaublich - Schon kleinste Luftbewegungen reichen aus, um die Lampen zum Leuchten zu bringen.
Unglaublich wie lange sie hell bleiben, nach dem er aufgehört hat zu fächern. "Es reicht auch aus, wenn man nur ein bisschen in die Richtung der Lampen pustet", erklärt Merlin. Ich bin sehr beeindruckt.

Mit "VoxBox" hat Yvonne Rogers eine Maschine kreiert, die Meinungen und Stimmungen von Menschen auf Veranstaltungen einsammelt. Ich muss gestehen, dass ist wirklich sehr viel cooler, als ein weißes Blatt Papier auszufüllen. 

Die mal etwas andere Meinungsumfrage!
Allein schon die Konstruktion, die mich an ein Spielautomat erinnert, weckt die Neugier es auszuprobieren. 

Spielerisch seine Meinung abgeben.
Und letztendlich ist es eine kleine Spielerei: man dreht Knöpfe, schiebt Regler und Lämpchen leuchten und weisen einem die Richtung. Hat man die Umfrage beendet, kann man auf der Rückseite die Echtzeitergebnisse sehen. 

Die "VoxBox"-Maschine von hinten.
Tipp: Mit den Pflanzen kommunizieren, Licht durch Luft erzeugen oder spielerisch seine Meinung abgeben, kann man nur noch bis zum 27.09.2015! Probiert es aus. Der Eintritt zum ausschließlichen Besuch der Awards Ausstellung ist kostenfrei.

Montag, 14. September 2015

10 Jahre phaeno: Rückblick mit Joe Ansel

Heute treffe ich den ehemaligen Kurator des phaeno, der sich Zeit genommen hat, bei "seinem" phaeno vorbeizuschauen, um vor den Feierlichkeiten zum Geburtstag schon einmal zu gucken, wie es der Ausstellung geht.

Er hat mir heute keine Geschichte des phaeno mitgebracht, verspricht er mir, sondern ein paar kleine Anekdoten rund ums phaeno. Wir sitzen zusammen bei einem Kaffee im Bistro. Als wäre es gestern gewesen, hat er noch alle Daten über das phaeno im Kopf. „Ich habe Jahre mit dem phaeno gelebt. Ich konnte in 3 D in meinem Kopf durch das phaeno fahren, bevor es eingerichtet war“, erklärt er mir. Viele, viele Geschichten über die Anfänge fallen ihm ein. Bei dem Namen Dr. Guthardt gerät er sofort ins Schwärmen. „Ohne Dr. Guthardt [Anm. d. Red.: Vater des phaeno und damaliger Direktor] wäre ich nicht gekommen!“sagt er bestimmt. „Als ich Dr. Guthardt sah, wusste ich, ich mach das!“ Er war so „very british“: Schlank, hochgewachsen, elegant und arbeitete von Montag bis Sonntag. „Den Vertrag haben wir mit einem Handschlag besiegelt. Ich half dabei Sponsoren zu überzeugen und das Gebäude für die Ausstellung funktional zu machen“, erinnert sich Ansel an die turbulente Zeit.

Joe Ansel mit Dr. Guthardt (v. l. n. r.) und Zaha Hadid am Rednerpult bei der Eröffnung 2005
Doch ein Abend nach der Eröffnung ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: „Wir saßen im Januar zusammen, die Eröffnung war nun etwas über 2 Monate her, die Erfolge sehenswert. Man kam bei einer guten Flasche Wein ins Gespräch und zog Bilanz.“ Da fragte ihn plötzlich Dr. Guthardt, ob er an einen solchen Erfolg geglaubt habe. Er erwiderte nur: Ja. Und Dr. Guthardt: Ich hatte meine Zweifel. Und da wurde Ansel klar, wie sehr ihm dieser Mann die vielen Jahre vertraut hatte.

Nach dem großen Thema Dr. Guthardt, beginnt Ansel über die Ausstellung zu erzählen. Besonders erinnert er sich an die Kontakte mit dem Künstler Trimpin, der das Exponat „Ring³“ extra für das phaeno entwarf. Es kam als eines der ersten Exponate im phaeno an und sollte die Besucher gleich am Eingang empfangen [Anm. d. Red.: Auch heute noch!).

Viele Kontakte gab es von Ansels Team auch zur Feuerwehr wegen des Brandschutzes. Jedes Detail der Exponate wurde abgesprochen und genehmigt. „Ich machte mir vor allem um den Feuertornado sorgen, ein Highlight der Ausstellung. Würde das mit der Bürokratie gut gehen?“ Und dann sollte es wieder eine Besprechung mit dem Brandschutz geben. Ansel war gut vorbereitet. Man wollte den Feuertornado auch das erste Mal vorführen.

Der Feuertornado, ein Highlight der Ausstellung: Würde das mit der Bürokratie gut gehen?
Und plötzlich rückte eine ganze „Kompagnie in voller Montur“ im phaeno an. „Mein Herz sank, was wollten denn die? Würde jetzt noch etwas schief gehen?“ Und dann die überraschende Auflösung: Es war fast ein Betriebsausflug. Ein solches, grandioses Ereignis wollte man sich nicht entgehen lassen. Denn selbst die Feuerexperten hatten natürlich noch keinen Feuertornado live gesehen.

Nach diesen lustigen und spannenden Geschichten verspricht er mir nach dem Kaffee eine Tour durchs phaeno, die meine Kollegin und ich mit Spannung erwarten. Sogleich steuert er zielsicher das Pferdeschwanz-Exponat an. Wir beide haben schon oft eine Tour durch die Exponate unternommen. Mal mit Experten mal alleine.

Ganz begeistert erklärt Joe Ansel die Wirkweise von "Pferdeschwanz".
Aber Ansels Tour war wirklich eine ganz besondere. Er spricht über die Exponate, als habe er sie gerade erst entdeckt. Zeigt uns gespannt jedes Detail. Hier seht ihr – als hätten wir es noch nie gesehen – eine graue Fläche und kaum hebe ich den Pferdeschwanz, was passiert: Das ist ja gar nicht so … Es folgen viele weitere Details und weitere Exponate!


Für einen kleinen Spaß zwischendurch!
„Ich bin begeistert, wie dynamisch sich das phaeno weiterentwickelt hat, so muss es sein“ bemerkt er ganz nebenbei. Wenn es heute noch so aussehen würde, wie bei der Eröffnung wäre etwas falsch gelaufen!“
Und diese Entwicklung wünscht er dem phaeno weiterhin. Für die nächsten Jahre könnte er sich für das phaeno vorstellen, dass es sich noch mehr zum „Trendsetter“ in Sachen Naturwissenschaften etablieren könnte. Zum Beispiel in der „Maker Faire“ Szene: Also noch mehr mitmachen, selber machen und Naturwissenschaften in der Gesellschaft etablieren.

Zum Abschluss gibt er mir noch eine lustige Story mit auf dem Weg: In Deutschland habe er sich jede Woche ein halbes Hähnchen bei derselben Verkäuferin geholt. Zum Abschied fragte er sie, wie es mit seinen Deutschkenntnissen stehe. Da lächelte Sie zum ersten Mal und sagte: „Oh sehr gut. Nur Hähnchen werden sie wohl nie aussprechen können.“ Stimmt bestätigt Ansel und sagt für mich noch einmal so nett „Hänschchen“. Wirklich schwierig! Er wird bald wieder kommen: Denn eins hat er sich selbst versprochen: Lebenslanges Lernen und Spielen mithilfe von Science Centern!

Montag, 7. September 2015

Pssst! Phaenomenale "Das Geheimnis" vom 17.-27.9.2015

Pssst! Ich muss dir was erzählen, aber du darfst es nicht weiter sagen! Wer hat diesen Satz nicht schon mal gehört oder es auch selbst vielleicht gesagt? Wenn es um Geheimnisse geht, werden wir alle ganz hellhörig. Das diesjährige Science & Art Festival Phaenomenale hat sich dem Thema „Geheimnis“ angenommen. Herausgekommen sind viele Ausstellungen, Workshops und Vorträge.

Phaenomenale - Das Science & Art Festival vom 17.-27.9.2015
Geheimnisse gibt es in Hülle und Fülle. Und in Rahmen des Festivals könnt ihr den verschiedenen Geheimnissen selbst auf den Grund gehen. Schlüpft an beiden Phaenomenale Wochenenden in die Rolle eines Ermittlers und sichert Fingerabdrücke oder entziffert einen Geheimcode in einem der beiden phaeno Workshops („Einbruch ins Chemielabor“ oder „Geheimschriften und Kryptologie“). 

Spurensicherung im Workshop "Einbruch ins Chemielabor".
Steht ihr auf mystischen fröhlichen Klang, dürft ihr das Phantom Ghost Konzert am 18.09. nicht verpassen! Mein Kollege Davy verrät, dass es ein einmaliger Abend wird, an dem man die Möglichkeit bekommt den Sänger der Band Tocotronic in dieser besonderen Location zu erleben und pssst! es ist eines seiner persönlichen Highlights. Die Karten könnt ihr an der phaeno Kasse erwerben.
 
Phantom Ghost am 18.9. um 19.30 Uhr im phaeno (Foto: Jutta Pohlmann 2009)
Ich dagegen bin besonders auf die Awardsausstellung gespannt, die den gesamten Zeitraum der Phaenomenale im phaeno gezeigt wird. In dieser Ausstellung werden neben der Arbeiten der beiden Awardsgewinner auch die Arbeiten ausgewählter Nominierter gezeigt. Die Gewinner werden aber noch nicht verraten. Ein klein wenig geheimnisvoll kann es ruhig noch bleiben. ;)

Mehr Informationen zur Phaenomenale erhaltet ihr unter http://www.phaeno.de/phaenomenale2015/.