Montag, 4. Januar 2016

Die Kunst auch einmal Nichts zu denken

Das Zahnradkunstwerk „Phaser“ fasziniert mich. Mit kunstvollen Umdrehungen zeichnet der kleine Stift ein kleines Mandala. Die sympathische Künstlerin Jennifer Townley transportierte selbst das Kunstwerk von den Niederlanden ins phaeno. Vor der Eröffnung der Sonderausstellung traf ich sie beim Einrichten der Zahnräder. 

Jennifer Townley baut gerade das Exponat "Phaser" zusammen.
Bevor wir uns eingehender über das Exponat unterhalten können, möchte ich es natürlich einmal in Action sehen. Das Kunstwerk besteht aus vielen Zahnrädern, die geschickt zu einer Zeichenapparatur kombiniert werden. Die Zusammensetzung der Zahnräder kann unterschiedlich kombiniert werden. Geschickt baut Townley die Apparatur auseinander. Es ist nur ein einziger Schraubendreher nötig, um die Apparatur umzubauen. Alles ist äußerst logisch und präzise aufgebaut. Darauf legt die Künstlerin wert. Meine Kollegin, die das Ganze gleich fotografieren wird und ich sind sehr gespannt. Bisher haben wir die Maschine nur auf YouTube angesehen. Und schon geht es los. Mit großem Schwung  zeichnet die Maschine ein Kunstwerk, das nach wenigen Augenblicken wieder von vorne beginnt. Der Stift zeichnet dann einfach immer wieder dasselbe. Und genau dies ist das Überraschende an Townleys Kunstwerk. Die Anzahl der Zähne der Zahnräder und deren Kombination bestimmen das Kunstwerk exakt vor. Für das erste Bild wählte sie z. B. die Zahnradkombination 50, 25, 60, 40, 50, 25 aus. Eine Kombination, die ein recht einfaches Bild entstehen ließ. Beim nächsten Mal tauschte sie das letzte Zahnrad gegen ein 40er Zahnrad aus. Jetzt wurde das Bild schon sehr viel komplexer. 

Nach dem Ausstausch der Zahnräder wird der Stift neu angesetzt und schon ensteht ein neues Mandalamuster.
Wie kam Townley auf die Idee für dieses Werk, das 2008 ihre Abschlussarbeit war? Alles begann mit der Reparatur ihre Waschmaschine. Einem uralten Toplader. Dort gefielen ihr zwei Zahnräder so gut, dass sie anfing mit diesen zu spielen. Die Idee für ihre Maschine war geboren. Den ersten Prototypen stellte sie dann aus Holz her. Bis dann etwa ein halbes Jahr später die Maschine, die jetzt im phaeno ausgestellt wird, fertig wurde. Diese Arbeit war so spannend, dass ganz nebenbei bemerkt, ihre Waschmaschine nie mehr repariert wurde. So ging es noch mehreren Maschinen, die Townley im Laufe der Jahre auseinander nahm. Eine besondere Vorliebe hat sie für sehr alte Maschinen: „Bei alten Maschinen ist die Mechanik noch erkennbar aufgebaut und die Maschinen oft noch aus Metall statt aus Plastik“, erklärt sie mir. Mittlerweile hat sie diese Zeit mit wenig Budget jedoch hinter sich gelassen. Nun kann Sie für Ihre Maschinen alles ganz konkret bestellen oder sogar speziell anfertigen lassen. „So kommt man schneller auf ein künstlerisch höheres Niveau der Maschinen“, meint sie. Diese beständige Weiterentwicklung ist ihr neben der großen Präzision ihrer Werke, die sie mittlerweile vor allem über das Internet in alle Welt verkauft, wichtig. Alle ihre kinetischen Maschinen sind in weiß, schwarz oder Grautönen gehalten. Durch die Bewegung  will sie die Aufmerksamkeit der Betrachter erregen. Insgesamt möchte Sie durch das Werk Phaser den Besuchern Augenblicke der Ruhe und der Besinnung schenken. „Nicht nur wenn das Denken anfängt, auch wenn das Denken für Momente der Stille aufhört, ist das für mich Kunst“, erklärt mir Townley. Diese Aussage überrascht mich so, dass ich darüber erstmal nachdenken muss. Es ist wie ein Geschenk an den Betrachter. Sich aus der hektischen Welt fortzubewegen und auf das Kunstwerk einzulassen. Deswegen die hohe Präzision, die zu dieser Ruhe beiträgt und das Weglassen von Farben.  Farben in Zukunft zu benutzen, schließt sie jedoch nicht aus: Sie erzählt mir begeistert von einer Matisse-Ausstellung, die sie besuchte und dessen Farbwelt sie nachhaltig beeindruckte. 

Je nach Zahnradkombination entstehen verschiedene Muster.
Jennifer Townley hat noch viele Ideen. Sie wird sich weiterentwickeln. Das phaeno ist mit Phaser Teil dieser Reise.
Im phaeno gehen wir noch zusammen auf eine „Exkursion“ zu alten Bekannten aus der kinetischen Kunstszene. Natürlich darf dabei Arthur Gansons „Kleiner Gelber Stuhl“ oder „Machine in Concret“ nicht fehlen. Beide schaut sie mit einer besonderen Blickweise an, so dass sie bald die Führung übernimmt. Sie weist mich auf Details beim gelben Stuhl hin. Auch vom Spaghetti-Eater und Secret Life ist sie begeistert. Manche der Kunstwerke kennt sie bisher nur aus dem Internet. Es ist genauso wie bei ihrem Kunstwerk eben doch etwas anderes. Live dabei zu sein, ist das größte!
 

Tipp: Die Sonderausstellung ist bis zum 14. August 2016 zu sehen.

Mehr über Jennifer Townley erfahrt ihr auf ihrer Webseite www.jennifertownley.com oder Facebook-Seite www.facebook.com/JenniferTownleyArt.

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