Montag, 22. Februar 2016

Eisbärhaare im phaeno?!


"Die Haare vom Eisbär finde ich richtig interessant, sie sind nämlich durchsichtig", erklärt mir meine Kollegin Daniela. "Durchsichtig?", hake ich nach und bekomme ein bejahendes Kopfnicken zurück. Zur Demonstration legt sie eine Folie mit einzelnen Haaren unter das Durchlichtmikroskop. Tatsächlich! Unter dem Mikroskop sehe ich nur hohle Haare. 

Hier sieht man die Hohlräume der Eisbärhaare unter dem Durchlichtmikroskop.
Die hohlen Haare wirken isolierend. Der Eisbär hat so kaum Wärmeverlust. Außerdem lassen die durchsichtigen Haare viel Sonnenlicht durch, die auf die schwarze Haut trifft. So, dass sich diese erwärmt! Das von uns wahrgenommene weiße Fell der Eisbären erscheint uns nur durch die Reflexion des Sonnenlichts so. Zum Vergleich legt meine Kollegin die Haare des Bisons unter das Mikroskop. Zum Vorschein kommen dicke, dichte, schwarze Haare. Hier sieht man deutlich den Unterschied zu den durchsichtigen Haaren des Eisbären. 

Meine Kollegin Daniela stellt die Vergößerung am Durchlichtmikroskop ein.
Seit knapp zwei Monaten kann man im phaeno Haare und Feder verschiedener wildlebender Tiere mikroskopieren. Diese haben wir auf Anfrage meiner Kollegin Daniela vom Zoo Hannover zugeschickt bekommen. Pfleger aus dem Zoo haben sie dort gesammelt und uns anschließend zur Verfügung gestellt. Ganz schön aufregend. Ich muss gestehen, vorher habe ich mir höchstens Sorgen um splissiges Haar gemacht. Bewusst Gedanken über durchsichtiges oder anderes Haar  – speziell in der Tierwelt – habe ich mir vorher nicht gemacht. Umso mehr steigt jetzt meine Neugier auf die unterschiedlichen Haare und Feder der wilden Tiere, an die wir in einem normalen Alltag gar nicht herankommen. 

Das Durchlichtmikroskop, Teil des Exponats "Haargenau", eignet sich besonders gut, um die Struktur der verschiedenen Haare zu erkennen und ob es sich um dichtes oder durchsichtiges Haar handelt. Zur Abwechslung legt Daniela die Folie mit einer Feder drunter. 

Bei dieser Vergrößerung kann man den Bogen- und Hakenstrahl an den Federästen erkennen.
Je nach Vergrößerung, wir hatten 40-,100- und 400-fache Vergrößerung, kann ich sogar den Bogen- und Hakenstrahl an den Federästen erkennen. "Leider kann man die Farbe unter diesem Mikroskop nicht sehen", bemerkt Daniela an. "Sehr schade", stimme ich ihr zu. Denn die Feder des in Afrika beheimaten Perlhuhns ist richtig hübsch. Wir ziehen also zu einem anderen Mikroskop weiter. Nur wenige Schritte vom Exponat "Haargenau" befindet sich die Experimentierstation "Taufliegen-Mutanten" mit dem Auflichtmikroskop.

Der Vorteil des Auflichtmikroskops: Man kann alles in Farbe mikroskopieren.
"Unter diesem kann man die Feder in Farbe betrachten", meint Daniela. Also alles auf Anfang! Folie mit der Feder daruntergelegt, Schärfe und Größe eingestellt und los geht’s! Wow, unter dem Auflichtmikroskop und in Farbe erscheint die Feder wie ein kleines Schmuckstück. Die filigranen Federäste schimmern silbern. Einfach wunderschön! 

Die Feder des Perlhuhns schimmert wunderschön unter dem Auflichtmikroskop!
Wir bleiben bei diesem Mikroskop und ich betrachte das Fell des Erdmännchens. Das besondere, die wenigen Haare reichen tatsächlich aus, um die verschiedenen Farben des Fells und sowohl das Deckhaar als auch das Unterfell zu sehen. "Die dünnen, feinen Haare gehören zum Unterfell und die dicken zum Deckhaar (Oberhaar)", erklärt mir Daniela. 

Bei dem Erdmännchenfell kann man unter dem Mikroskop neben dem Deckhaar (dick) auch das Unterfell (dünn) erkennen.
Mein Staunen hört nicht auf. Ich fühle mich wie auf einer kleinen Tierexpedition einmal um die Welt. 

Der Bereich hinter dem BioLab ist täglich für ein paar Stunden offen und mit einem/einer phaeno(wo)man besetzt, die mit Fragen gelöchert werden können. 

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