Montag, 28. März 2016

Ein Ball reitet auf einem Rodeosattel

Dieser gelbe Sattel zieht die Blicke auf sich: Wenn man ihn anschaltet, rotiert er wie ein Rodeosattel. Jetzt will ich seine Funktion ausprobieren. Natürlich darf man nicht selbst drauf reiten. Das wäre zu gefährlich! Man nimmt einen Ball und soll diesen erst einmal, wenn der Sattel in Ruhe ist, auf diesem balancieren. Na, das klappt, wie erwartet, nicht. Der Ball rollt immer wieder auf einer Seite herunter. 

Dann schalte ich das Exponat ein und der Sattel fängt an zu rotieren.


Den Ball dazuzugeben, traue ich mich zuerst nicht. Beim ersten Mal werfe ich den Ball von oben einfach rein. Das bringt natürlich nichts. Sofort wirft das Exponat den Ball zurück. Zweiter Versuch. Vorsichtig platziere ich den Ball von oben auf der Mitte des Sattels und bekomme den Ball sofort wieder zurückgeschleudert. Ich lasse mich von der bockigen Maschine nicht unterkriegen und probiere noch ein paar Mal herum. Mal versuche ich es mit beiden Händen, mal mit einer Hand. Und dann stelle ich die Geschwindigkeit des drehenden Sattels höher. 


Erst einmanl die Geschwindigkeit aufdrehen...
Und plötzlich: Voilà der Ball bleibt auf dem Sattel liegen und lässt sich darauf fast eine Minute herumschaukeln. Beeindruckend! Umso höher die Geschwindigkeit des rotierenden Sattels, je besser funktioniert das. Außerdem habe ich mal wieder das berühmte Aha-Erlebnis. Selbst gemacht und nicht aufgegeben! Nur so ganz konnte ich mein Ergebnis nicht wiederholen. Mal klappte es, mal nicht. Also habe ich mit Christof verabredet. 

... und dann den Ball drauflegen.
Er ist Physiker und unter anderem für die Entwicklung des Exponats verantwortlich. Zum Termin am Exponat taucht Christof mit weiteren Bällen auf, die er testen möchte. Und schon ist meine erste Frage zum Exponat beantwortet. Der Rodeosattel ist nämlich noch ein Prototyp. "So wie hier wird er bisher in keinem Science Center gezeigt", erklärt mir Christof. Da die Idee des Exponats so gut zu der MechanixX-Ausstellung passt, wollte Christof ihn unbedingt einmal ausprobieren. So baute ein anderes Science Center – die Phänomenta – nach seinen Vorgaben dieses neue Ausstellungsstück. "In der MechanixX-Ausstellung dreht sich alles um Bewegung. Bei diesem Rodeosattel kann mal selbst ausprobieren, dass Dinge durch Bewegung stabilisiert werden können", erklärt mir Christof. Und zugleich zeigt er mir, wie ich den Ball am besten auf dem Exponat platzieren muss. Man nimmt den Ball in nur eine Hand. Dreht die Geschwindigkeit des Exponats auf das Maximum. Dann legt man den Ball vorsichtig in die Mitte des Sattels. Und dann kann man erstaunlicherweise spüren, wann der beste Punkt erreicht ist. Wenn der Ball sich kaum mehr bewegt, dann ist dort der stabilste Punkt. Ich probiere es aus und es klappt! Hat man den Punkt noch nicht erreicht, "wabbelt" der Ball richtig unter der Hand herum. 

Christof platziert nun einen anderen Ball auf dem Rodeosattel...
Und schon werde ich Teil eines weiteren Experiments, um das Exponat zu optimieren. Christof lässt drei verschiedene Bälle nacheinander auf dem Exponat rotieren. Ihm sieht man richtig an, dass sein Forschergeist geweckt ist. Jeder dieser Bälle hat noch Schwachpunkte: Der eine ist zu hart, der andere zu weich. Deswegen hat Christof mit dem Exponat noch viel vor: "Es ist ein cooles Exponat, an dem man viel ausprobieren kann, und wir werden noch einiges verändern", ist sich Christof sicher. 

... und Voilà! Auch dieser Ball rotiert auf dem Sattel.
Für dieses Experiment gibt es auch eine technische Anwendung. Diesen mechanischen Rodeosattel kann man als "elektrischen Sattel" bauen. Und jetzt kommt der Trick: Mit diesem Gerät genannt Paulfalle fängt man nun ähnlich wie den Ball kleine elektrisch geladnen Teilchen (Ionen) ein, die man hinterher analysieren kann. Und fertig ist ein Gerät, mit dem man zum Beispiel giftige Gase aufspüren kann. Für diese Paulfalle erhielt der deutsche Physiker Prof. Wolfgang Paul 1989 den Physik-Nobelpreis.

Tipp: Das Exponat steht in der Sonderausstellung "MechanixX", die noch bis zum 14.08.2016 zu sehen ist.

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