Montag, 4. April 2016

Futuristische Models vor der phaeno Kulisse

Models vor dem phaeno in futuristischen Kleidungen. Über den Hintergrund dieser Fotos wollte ich unbedingt mehr erfahren. Vor ein paar Wochen erhielten wir eine Anfrage der Studentin Kajan Luc, die an der Hochschule Hannover Modedesign studierte. Sie wollte ihre Kollektion vor dem Schauspielhaus in Hannover und am phaeno an einem Wochenende bei uns fotografieren. Auch dank dieser außergewöhnlichen Fotos und Ideen hat sie mittlerweile das Studium erfolgreich abgeschlossen. Herzlichen Glückwunsch! Im Interview werde ich nun mehr über den Hintergrund des spannenden Shootings erfahren:

Die Modedesignerin Kajan Luc.
Für Ihr Fotoshooting haben Sie sich phaeno als Kulisse ausgesucht. Was waren die Kriterien für die Auswahl der Kulisse?
Das war ein Glücksfall. Ursprünglich wollten wir die Fotos  in der Halle machen, in der wir vorher das Video gedreht haben. Aber zwei, drei Tage vorher hat mich der Plan nicht mehr überzeugt, also mussten wir die Location wechseln. Wir haben uns in Hannover umgesehen, aber nicht viel Interessantes gefunden. Bei der Suche haben wir uns an dem Werkstoff Beton orientiert. Beton wird wie Wasser in Form gegossen. Und das spielte eine große Rolle. phaeno selbst kannte ich vorher gar nicht, eine Freundin hat mich drauf gebracht, später habe ich auch im Internet recherchiert. Als ich die Bilder von der Architektur sah, war ich von der Location überzeugt. Es passte perfekt zu meiner futuristischen Mode. Die Architektur hat Diagonalen und Schrägen. Auch der selbstverdichtende Beton unterstützt die fließende Bewegung und greift das Thema „Wasser“ meiner Arbeit auf. Alles hat miteinander harmonisiert. Das Wasser an sich ist ja fließend, hat ja eigentlich keine richtige Form, es passt sich der Umgebung an. Und dies spiegelt sich in meiner Arbeit wieder. Ich habe mit Rechtecken und Schlitzen gearbeitet. Durch Drapierungen entstanden im laufenden Prozess verschiedene Formen.

Auf den Bildern sieht die Mode starr aus, in Realität haben sie fließende Bewegungen.
Die Mode sieht auf den Bildern eher starr aus?
Wenn sich die Models jedoch bewegt haben, hatte der Stoff eine fließende Bewegung. Und das Fließen ist im übertragenen Sinne eine Metapher für den gesamten Entwurfsprozess, der sich aus der reinen Intuition heraus entwickelte. Der Stoff der Mode ist dabei das Wasser, das sich durch die Einschnitte an den Körper, seine Umgebung anpasst. Dies kann man im Video ganz gut sehen. 

video

Wie würden Sie die Form, die Farbe und das Material der Mode, die die Models auf den Fotos tragen beschreiben?
Beim Material handelt es sich um Korkleder aus Portugal. Die Rinde der Korkeiche wird auf das Trägermaterial aufgeklebt und es entsteht ein recht elastischer und sehr robuster Stoff. Diesen Stoff verwendet man seit circa fünf Jahren vermehrt als Textilie. Die natürliche Farbe ist beige, aber ich verwendete noch weißen und schwarzen Stoff. Die farbigen Stoffe sind mit dem Einsatz von relativ wenig Chemie möglich. Der ökologische Aspekt war mir wichtig.
Kontrastär zu den Korkoutfits tragen die Models Seacell-Jerseystoff aus Algenfaser. Er zeichnet sich durch seine Weichheit aus und tut der Haut wohl. Kontrastär zu den starren Formen haben sie Eines gemeinsam, beide passen sich auf ihre Art und Weise am besten an den Körper an.

Die phaeno Architektin Zaha Hadid (1950-2016) entwarf neben Gebäuden, auch Möbeldesign und Schuhe. Finden Sie sich in irgendeiner Form darin wieder?
Das ist ganz lustig, dass Sie das fragen. Im Internet bin ich auf Zaha Hadid und silberne Schuhe von ihr gestoßen. Als ich sie sah, dachte ich, dass sie perfekt für meine Mode passen. Die Schuhe haben nämlich auch ein futuristisches Design. Ich habe die Schuhe probeweise auf die Füße eines Models aus der Fotoserie reinretuschiert. Leider kann man das so ja nicht veröffentlichen. Aber es hätte sehr gut gepasst (http://www.zaha-hadid.com/design/nova-shoe/).

Gerne hätte Kajan Luc Schuhe der Star Architektin Zaha Hadid für ihre Models verwendet.
Ihre Mode ist stark reduziert in Form und Farbe (schwarz, weiß, beige, grau), abstrakt und ungewöhnlich. Sind Ihre Designs als Kunstwerk zu verstehen oder handelt es sich um tragbare Mode?
Mode ist für mich Kunst. Mode an sich ist ein weiter Begriff, aber mir ist wichtig immer eine Innovation zu schaffen, eine neue eigene Welt sozusagen. Mode verstehe ich auch als ein Gesamtkunstwerk- das Zusammenspiel von Mode und Architektur, die Eigenkommunikation der Mode und das Umkehren des Inneren nach Außen- all das bedeutet für mich die Kunst der Mode. Da meine Mode sehr abstrakt und futuristisch ist, würde ich nicht sagen, dass sie unbedingt tragbar ist.
Ich finde es schön, wenn meine Arbeit Menschen in irgendeiner Weise berührt und sie etwas Eigenes für sich sehen. Das ist das Schönste für mich. Auch, dass sich Menschen für das Thema interessieren, bestätigt mich ebenfalls in meiner Arbeit. Das Interesse war stark und führte mich zu vielen Menschen und Freunden, die mich auf dem Weg begleiteten und großartige spontane Hilfe leisteten! An dieser Stelle möchte ich mich nochmal herzlichst an alle Mitwirkende des Projekts und besonders an meine tapferen Models bedanken, die für mich zwei Tage leicht bekleidet in der Dezemberkälte standen und starken Ausdruck bewahren konnten.
Im Kolloquium wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen kann die Kollektion produzierbar zu machen. Vorstellen schon, aber ob ich es umsetze, das weiß ich noch nicht.

Mode als Gesamtkunstwerk!
Wie sehen ihre nächsten Ziele aus?
Gerne würde ich der in Richtung Kunst oder Mode weiterarbeiten. Es ist etwas, was mich erfüllt. Durch die Projekte während des Studiums und speziell durch die Abschlussarbeit bin ich jetzt so richtig Feuer und Flamme diesen Weg fortzuführen. Ich habe mir überlegt ein Masterstudium in Hamburg anzufangen. Deren Master dort ist sehr praxisorientiert und ich habe Lust, mich weiter zu entwickeln.

Liebe Kajan Luc, wir wünschen Ihnen viele weitere Ideen und Erfolg bei Ihrer Arbeit. Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr über Kajan Luc unter http://kajanluc.format.com und http://kajanluc.tumblr.com.

Credits:
Models: Shirin Paul, Ella Vickers, Daniel Barth, Nico Albersmann, Christian Vukomanovic, Alexander Agonschewski, Thuy Yen Pham, Grischka Joerdens | Design Assistant: Annika Svenja Jasmer | Maske: Natalia Beinert | Szenograf: Marvin Ott | Grafikdesign: Benjamin Behrendt | Photographer: Alexander Schuktuew
Dank an die Stoffunternehmen: Secacell, die Kajan Luc mit ihren Stoffen sponsorten, Inkorknito und Barkcloth.

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